Temperatur

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Tem|pe|ra|tur [tɛmpəra'tu:ɐ̯], die; -, -en:
messbare Wärme der Luft oder eines Körpers:
mittlere, gleichbleibende, ansteigende, sinkende Temperaturen; eine angenehme, unerträgliche Temperatur; eine hohe, niedrige Temperatur haben.
Zus.: Außentemperatur, Höchsttemperatur, Innentemperatur, Körpertemperatur, Raumtemperatur, Tiefsttemperatur, Wassertemperatur, Zimmertemperatur.

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Tem|pe|ra|tur 〈f. 20
1. Wärmegrad (eines Gases, Körpers, einer Flüssigkeit)
2. 〈Mus.〉 die temperierte Stimmung
● \Temperatur haben leichtes Fieber haben; die \Temperatur messen; die \Temperatur ist gestiegen, gesunken, gefallen; erhöhte \Temperatur leichtes Fieber; eine \Temperatur von 15°C [<lat. temperatura „gehörige Mischung, Beschaffenheit“; zu temperare „in das gehörige Maß bringen, richtig leiten, maßhalten“]

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Tem|pe|ra|tur [lat. temperatura = angemessene Beschaffenheit, rechte Mischung (temperare = mischen, mäßigen, mildern, regeln)], die; -, -en; Formelzeichen: (thermodynamische oder absolute T.:) T, (Celsius-T.:) t, ϑ, θ :eine intensive, d. h. stoffmengenunabhängige Zustandsgröße. Die in der Einheit Kelvin ( Temperaturskala) angegebene T. ist ein Maß für den Wärmezustand eines Körpers oder Systems, d. h. ein Maß für die mittlere kinetische Energie je Freiheitsgrad bei der ungeordneten Wärmebewegung der Teilchen des physikal. Systems. Die tiefstmögliche T. eines Systems ist die, bei der die Energie gleich Null ist (absoluter Nullpunkt, 0 Kelvin).

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Tem|pe|ra|tur , die; -, -en [lat. temperatura = gehörige Mischung, Beschaffenheit, zu: temperare, temperieren]:
1. Wärmegrad eines Stoffes; gemessene Wärme von etw., bes. der Luft:
mittlere, gleichbleibende, ansteigende, sinkende -en;
die höchste, die niedrigste T.;
eine angenehme, unerträgliche T.;
die T. des Wassers, der Luft;
der Wein hat die richtige T.;
die T. steigt, fällt, sinkt [unter Null, unter den Nullpunkt], geht zurück;
-en bis zu 40 °C;
die T. messen, kontrollieren.
2. (Med.) ein wenig über dem Normalen liegende Körpertemperatur:
T., erhöhte T. (leichtes Fieber) haben.

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Temperatur
 
[lateinisch temperatura »gehörige Mischung«] die, -/-en,  
 1) Meteorologie: Klimaelement und Zustandsgröße der Luft, mit deren Hilfe sich bei bekanntem Druck die Energie der Atmosphäre und die Luftdichte ermitteln lassen. Ihr vertikaler Gradient (Temperaturgradient) bestimmt den Gleichgewichtszustand der Atmosphäre (Stabilität, Labilität). Die Lufttemperatur an einem Ort wird mit strahlungsgeschützten Thermometern (Radiosonde, Wetterhütte) zu bestimmten Terminen beobachtet oder fortlaufend registriert. Um Einflüsse der bodennächsten Luftschicht auszuschalten und vergleichbare Temperaturen zu erhalten, wird international einheitlich 2 m über dem Boden gemessen. Die Temperatur zeigt in der Regel einen Tages- und Jahresgang, wobei für beide gewöhnlich gilt, dass die Amplitude über Land größer ist als über See und am Boden größer als in der freien Atmosphäre, was nachts und im Winter häufig zu Inversionen führt. Unterschiede bestehen aber in den verschiedenen Breiten; so ist der Tagesgang mit tiefsten Werten um Sonnenaufgang und höchsten gegen 14 Uhr Ortszeit in den Tropen und Subtropen besonders ausgeprägt, während in den mittleren und polaren Breiten der Jahresgang, dessen Extreme etwa 1-2 Monate nach dem Tiefst- oder Höchststand der Sonne auftreten, den Tagesgang übertrifft (Jahreszeitenklima). Die Temperaturverteilung auf der Erde ist von örtlicher Strahlungsbilanz und großräumigen Luftströmungen (Zirkulation der Atmosphäre) abhängig. Die höchsten Temperaturen (mehr als 50 ºC) werden im Innern der Wüsten beobachtet (Wärmepole), die höchsten Jahresmittel (etwa 28 ºC) im Bereich der nordhemisphärischen Savannen. Die tiefsten Werte (weniger als —80 ºC, Jahresmittel —55 ºC) treten in Nordostsibirien und v. a. an den Inlandstationen der Antarktis auf (Kältepole). Für Berechnungen wurden in der Meteorologie spezielle Temperaturbegriffe eingeführt, so ist virtuelle Temperatur die Temperatur, die trockene Luft unter gleichem Druck annehmen müsste, um die gleiche Dichte zu haben wie feuchte; potenzielle Temperatur die Temperatur, die Luft erreicht, wenn sie ohne Wärmezufuhr von außen auf 1 000 hPa gebracht wird, und Feuchttemperatur die Temperatur, die sich auf einer benetzten Oberfläche einstellt, wenn der als Folge des Temperaturgefälles zur Umgebungsluft zu ihr gerichtete Wärmestrom den Energieverlust durch Verdunstung voll ausgleicht.
 
 2) Musik: temperierte Stimmung, Bezeichnung für eine Stimmung, bei der auf Instrumenten mit fester Stimmung, v. a. Lauten und Tasteninstrumenten, möglichst viele Intervalle möglichst »rein« klingen. Bis um 1700 wurden verschiedene mitteltönige Temperaturen verwendet. In der Mitteltontemperatur wird die Differenz zwischen großem und kleinem Ganzton ausgeglichen, beherrschendes Intervall ist die rein gestimmte Terz. P. Aron beschrieb 1523 eine mitteltönige Temperatur, bei der die große Terz C-E rein gestimmt wird, das synthon. Komma über die Quinten C-G, G-D, D-A, A-E derart verteilt wird, dass jede Quinte um ¼ Komma zu klein ist, wobei als kaum brauchbares Restintervall die Wolfsquinte entsteht. Diese Mitteltontemperatur hat eine mittlere Abweichung von 20 Cent von der seit dem 18. Jahrhundert gebräuchlichen gleichschwebenden Temperatur, bei der die Oktave in zwölf gleiche Intervalle unterteilt wird. Da das Frequenzverhältnis für die Oktave 2 : 1 ist und die Oktave in 12 Halbtöne zerlegt wird, deren Frequenzverhältnisse sich durch Multiplikation beziehungsweise Division ergeben, beträgt das Frequenzverhältnis eines Halbtons bei der temperierten Stimmung
 
Bei einer Normierung des Tons a1 auf die Frequenz von 440 Hertz haben die Töne der C-Dur-Tonleiter folgende Frequenzen:
 
Auf einem mitteltönig gestimmten Instrument erklingen Tonarten mit wenigen Vorzeichen in großer Reinheit und Klangschönheit, Tonarten mit mehreren Vorzeichen klingen verstimmt (H-Dur ist gänzlich unbrauchbar). Dies macht den besonderen Klangcharakter der verschiedenen Tonarten aus, auf den Komponisten bis um 1700 Rücksicht nahmen. Zwischen der mitteltönigen und der gleichschwebenden Temperatur gab es im 18. Jahrhundert zahlreiche Übergangsstadien. Auf temperiert gestimmten Instrumenten lassen sich alle Tonarten spielen, beliebige Modulationen und enharmonische Verwechslungen ausführen.
 
Die Manuale von Synthesizern können in der Regel auf beliebig temperierte Systeme eingestellt werden (pitch stretch). Zugleich zeigt die moderne elektronische Klangerzeugungstechnik, dass absolut exakt temperierte Stimmungen matt (in den Tiefen zu »hoch«, in den Höhen zu »tief«) wirken. Absolut exakte Temperaturen werden daher in der Praxis vermieden.
 
 
H. Kelletat: Zur musikal. T., 3 Bde. (1-21981-94);
 M. Lindley: Lutes, viols, and temperaments (Cambridge 1984);
 M. Lindley: Stimmung u. T., in: Gesch. der Musiktheorie, hg. v. F. Zaminer, Bd. 6 (1987);
 F. J. Ratte: Die T. der Clavierinstrumente (1991).
 
Weitere Literatur: Stimmung
 
 3) Physik: eine thermodynamische Zustandsgröße, die ein Maß für den Wärmezustand materieller Systeme ist. Der Begriff der Temperatur leitete sich ursprünglich aus der Wärme- und Kälteempfindlichkeit des Temperatursinns ab, der es erlaubt, Körper nach ihrer Temperatur zu klassifizieren. Im Gegensatz zum allgemeinen Sprachgebrauch ist der Begriff der Temperatur von dem der Wärme streng zu unterscheiden. Während die Wärme als Energieform eine extensive Größe darstellt, ist die Temperatur eine intensive Zustandsgröße und nimmt in einem System, das sich im thermischen Gleichgewicht befindet, überall denselben Wert an (im Allgemeinen ist dies zumindest lokal erfüllt). Die dem Temperaturbegriff zugrunde liegende Erfahrung formuliert der 0. Hauptsatz der Thermodynamik: Wird dem System Wärme zugeführt oder entzogen, steigt beziehungsweise sinkt seine Temperatur. Das Ausmaß der Temperaturänderung ist dabei abhängig vom Betrag der Wärmeenergie und der Menge des betreffenden Stoffs; die Temperatur selbst ist aber eine stoffmengenunabhängige Eigenschaft des Systems.
 
In der Thermodynamik tritt die Temperatur als Basisgröße im Internationalen Einheitensystem auf. Die absolute oder thermodynamische Temperatur (Formelzeichen T ) wird über den Wirkungsgrad des Carnot-Prozesses bis auf einen Proportionalitätsfaktor definiert und auf die Messung von Wärmeenergien zurückgeführt: Das Verhältnis der im Kreisprozess dem System zugeführten und der von ihm abgegebenen Wärme ist gleich dem Temperaturverhältnis der beteiligten Wärmereservoire. Nach der statistischen Theorie der Wärme ist die thermodynamische Temperatur ein Maß für die mittlere kinetische Energie je Freiheitsgrad bei der ungeordneten Wärmebewegung der Bestandteile eines physikalischen Systems, z. B. der Moleküle eines Gases (Gleichverteilungssatz der Energie); je höher die Temperatur, desto größer ist deren Bewegungsenergie. Die thermodynamische Temperatur ist substanzunabhängig und besitzt nur positive Werte. Sie wird nach unten durch den absoluten Nullpunkt der Temperatur begrenzt. Um nicht ausschließlich Temperaturverhältnisse, sondern auch einzelne Temperaturwerte messen zu können, ist die (willkürliche) Festlegung eines (neben dem absoluten Nullpunkt weiteren) Festpunkts notwendig, für den in der Kelvin-Skala der Tripelpunkt des Wassers gewählt und zu 273,16 K festgelegt wurde. Die SI-Einheit der thermodynamischen Temperatur ist das Kelvin (K). Im täglichen Leben ist es international allgemein üblich, die Temperatur in Grad Celsius anzugeben (in den USA in Grad Fahrenheit; Temperaturskala).
 
 
Viele Eigenschaften eines Körpers sind von der Temperatur abhängig (Volumen, Druck, Aggregatzustand, elektrischer Widerstand, Strahlungsemission u. a.) und können zur Messung der Temperatur herangezogen werden; insbesondere wird die Eigenschaft der Temperatur ausgenutzt, eine Ausgleichsgröße zu sein: verschieden temperierte Teile eines thermisch abgeschlossenen physikalischen Systems gehen im Zeitablauf durch Wärmeaustausch ins Gleichgewicht über und nehmen die gleiche Temperatur an. I. Allgemeinen wird ein Messsystem mit bekanntem Temperaturverhalten, wie die Ausdehnung einer Flüssigkeitssäule (Thermometer), die Biegung eines Bimetallstreifens (Bimetall), die Änderung des elektrischen Widerstands oder der Thermospannung (Thermoelement) mit dem System in Wärmekontakt gebracht, dessen Temperatur bestimmt werden soll. Das Messsystem darf dabei nur einen möglichst geringen Wärmebetrag mit dem Messobjekt austauschen, damit die Abweichung der sich einstellenden Gleichgewichtstemperatur von der Ausgangstemperatur vernachlässigbar ist und das Messergebnis nicht verfälscht. Zur berührungsfreien Temperaturmessung dienen Pyrometer, die die elektromagnetische Strahlung eines Objekts zur Bestimmung seiner Temperatur heranziehen. Die optische Darstellung der Temperaturverteilung eines Messobjekts mithilfe eines Infrarotdetektors auf einem Bildschirm ist Gegenstand der Thermographie.
 
Die tiefsten bisher gemessenen Temperaturen liegen unter 1 μK (Tieftemperaturphysik), die höchsten, bei Experimenten zur Kernfusion für sehr kurze Zeiten im Fusionsplasma erreichten Temperaturen zwischen 107 und 108 K.
 
Die Temperatur in ihrer Funktion als Maß für den Wärmezustand eines Systems ist für alle physikalischen, chemischen, biochemischen sowie technischen Prozesse von fundamentaler Bedeutung. Spezifische Temperaturen sind dabei u. a. Siede-, Schmelz-, Zünd-, Curie-, Debye- und Néel-Temperatur. In der Biologie spielt z. B. die Körpertemperatur bei Lebewesen eine wichtige Rolle. In der Astronomie unterscheidet man u. a. Effektiv-, Farb-, Gradations-, Anregungs-, Ionisations- und Strahlungstemperatur.
 
 
F. Henning: T.-Messung (31977);
 F. X. Eder: Arbeitsmethoden der Thermodynamik, Bd. 1: T.-Messung (1981);
 
T.-Messung in der Technik, Beitrr. v. L. Weichert u. a. (51992).
 
Weitere Literatur: Thermodynamik.
 

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Tem|pe|ra|tur, die; -, -en [lat. temperatura = gehörige Mischung, Beschaffenheit, zu: temperare, ↑temperieren]: 1. Wärmegrad eines Stoffes; in Zahlen, Graden gemessene Wärme von etw., bes. der Luft: mittlere, gleich bleibende, ansteigende, sinkende -en; die höchste, die niedrigste T.; eine angenehme, unerträgliche T.; die T. des Wassers, der Luft; der Wein hat die richtige T.; die T. im Schmelzofen, des flüssigen Glases beträgt ... Grad; die T. steigt, fällt, sinkt [unter Null, unter den Nullpunkt], geht zurück; -en bis zu 40 ºC; die T. messen, kontrollieren. 2. (Med.) ein wenig über dem Normalen liegende Körpertemperatur: T., erhöhte T. (leichtes Fieber) haben. 3. (Musik) Einteilung der Oktave in zwölf gleiche Halbtöne.

Universal-Lexikon. 2012.

Synonyme:

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